Die Calathea, oft auch als „Gebetspflanze“ bekannt, ist weit mehr als nur ein Dekorationsobjekt. Ihre Bewegung nach dem Tag-Nacht-Rhythmus – die Blätter schließen sich abends und öffnen sich mit dem Morgenlicht – ist das sichtbare Zeichen eines hochentwickelten Anpassungsmechanismus. Dieses Phänomen, in der Botanik als Nyktinastie bezeichnet, lässt sich bei vielen Vertretern der Marantaceae-Familie beobachten. Doch sobald draußen Frost herrscht und drinnen die Heizung eingeschaltet wird, beginnen sich ihre Blätter einzurollen und braun zu werden. Dieses stille Signal ist kein ästhetisches Problem, sondern eine physiologische Reaktion auf trockene Luft, Temperaturschwankungen und unzureichende Lichtverhältnisse. Wer versteht, was in der Pflanze vor sich geht, kann sie durch den Winter bringen – ohne dass sie an Lebenskraft verliert.
Warum Calatheas im Winter auf Stresssignale reagieren
Die tropischen Wälder Südamerikas, aus denen die Calathea stammt, sind durch konstante hohe Luftfeuchtigkeit (70–90 %), gefiltertes Licht und stabile Temperaturen geprägt. Im mitteleuropäischen Wohnraum dagegen fällt die Luftfeuchtigkeit im Winter oft unter 40 %. Diese Diskrepanz zwingt die Pflanze, ihren Wasserhaushalt zu schützen, und das Einrollen der Blätter ist ihre natürliche Abwehrreaktion: Eine kleinere Blattoberfläche verdunstet weniger Wasser.
Beim Einrollen handelt es sich um einen aktiven Schutzmechanismus der Pflanze gegen übermäßigen Wasserverlust. Die bräunlichen Ränder entstehen als Folge einer gestörten Transpiration. Wenn die Luft zu trocken ist, schließt die Calathea ihre Stomata, wodurch die Photosynthese eingeschränkt wird. Langfristig führt das zu Zellstress und Nekrosen an den Blatträndern. Besonders empfindlich reagieren Sorten mit dünnen, transparenten Blättern wie Calathea orbifolia oder Calathea makoyana.
Auch Heizungswärme von unten und kalte Zugluft von Fenstern oben setzen der Pflanze zu. Der Temperaturgradient zwischen Wurzelbereich und Blattkrone stört den Saftstrom, was die Blätter zusätzlich erschlaffen lässt. Die Calathea reagiert besonders empfindlich auf Temperaturen unter 18 °C – ein Schwellenwert, bei dem der Stoffwechsel deutlich verlangsamt wird. Damit wird die Winterzeit zum biologischen Stresstest, den die Pflanze nur mit konsequenter Pflege übersteht.
Die natürliche Herkunft der Calathea aus dem Unterholz tropischer Regenwälder erklärt ihre extremen Anforderungen. Dort herrschen das ganze Jahr über gleichbleibende Bedingungen ohne die jahreszeitlichen Schwankungen, die in gemäßigten Klimazonen üblich sind. Diese evolutionäre Prägung macht sie zu einer der anspruchsvollsten, aber auch faszinierendsten Zimmerpflanzen.
Wie man die Luftfeuchtigkeit stabilisiert, ohne das Raumklima zu verschlechtern
Die wichtigste Voraussetzung für eine gesunde Calathea ist eine relative Luftfeuchtigkeit über 60 %. Statt sich auf unkontrollierte Methoden wie tägliches Besprühen zu verlassen – das meist nur die Blattoberfläche befeuchtet – lässt sich ein konstanteres Mikroklima aufbauen. Bewährt haben sich physikalisch nachvollziehbare Maßnahmen, bei denen Verdunstungsflächen und Luftzirkulation in Balance bleiben.
Eine flache Schale unter oder neben dem Topf mit feuchtem Blähton erhöht die lokale Luftfeuchtigkeit direkt an der Pflanze, ohne dass sich Staunässe bildet. Diese Methode gibt kontinuierlich Feuchtigkeit ab. Ein modernes Gerät mit Hygrostat erlaubt die genaue Regelung der Luftfeuchtigkeit auf 60–65 %, was für Mensch und Pflanze gleichermaßen angenehm ist. Ein elektrischer Luftbefeuchter ist besonders in Räumen mit mehreren tropischen Pflanzen eine sinnvolle Investition.
Mehrere Pflanzen in Gruppen erhöhen die Feuchtigkeit durch kollektive Transpiration; das Mikroklima zwischen ihnen wird stabiler. Diese Gruppierung nutzt den natürlichen Effekt, dass Pflanzen gemeinsam mehr Feuchtigkeit in ihrer unmittelbaren Umgebung halten können. Beim Besprühen sollte nur gefiltertes, zimmerwarmmes Wasser verwendet werden, um Kalkflecken zu vermeiden. Die Blätter sollten nach spätestens einer Stunde wieder trocken sein, um Pilzbildung zu verhindern. Stehendes Wasser auf den Blättern, insbesondere in den Blattachseln, kann zu Fäulnis führen.
Wer einen Hygrometer in der Nähe des Pflanzenstandorts platziert, erkennt schnell, wie stark Heizungsluft das Klima tatsächlich verändert. Schon ein Grad mehr Raumtemperatur kann die relative Luftfeuchtigkeit um 5 % senken – eine Differenz, die für die Calathea entscheidend ist. Die Messung der tatsächlichen Luftfeuchtigkeit ist dabei präziser als das subjektive Empfinden und ermöglicht gezielte Anpassungen.
Der Einfluss von Temperatur und Licht auf die Zellspannung der Calathea
Die Blätter einer Calathea sind hydraulische Systeme: Ihre Form hängt vom inneren Turgordruck ab, also vom Wassergehalt in den Zellen. Fällt der Druck, rollen sich die Blätter ein. Dieses Phänomen ist reversibel – die Pflanze signalisiert also, dass sie noch lebt, aber Stress empfindet.
Im Winter verschärfen zwei äußere Faktoren die Situation. Optimal sind konstante 20–24 °C, niemals unter 18 °C. Temperaturen unter 16 °C führen zu Stoffwechselverlangsamung, die Wurzeln nehmen dann weniger Wasser auf, während die Verdunstung über die Blätter weiterläuft. Diese Diskrepanz zwischen Aufnahme und Abgabe erzeugt den charakteristischen Trockenheitsstress.
Zwischen November und Februar sinkt die Beleuchtungsstärke auf ein Viertel der Sommerwerte. Da Calatheas keine direkte Sonne benötigen, wirken viele Wohnungsecken zunächst geeignet. Tatsächlich leiden sie aber unter Lichtmangel, wenn die natürliche Helligkeit nicht ausreicht. Die Pflanze stammt zwar aus schattigen Regenwaldregionen, benötigt aber dennoch helles, indirektes Licht für ihre Photosynthese.
Ein einfacher Weg, das Defizit auszugleichen, besteht in Pflanzenlampen mit Vollspektrumlicht. Wichtig ist die Distanz – 30–40 cm über der Pflanze reichen aus, um die Photosynthese aufrechtzuerhalten, ohne die Blätter zu überhitzen. Zeitgesteuerte Beleuchtung von 10–12 Stunden pro Tag simuliert tropische Tage und stabilisiert den biologischen Rhythmus der Pflanze.
Die Kombination aus Temperatur und Licht wirkt synergistisch: Selbst bei optimaler Temperatur kann Lichtmangel die Photosyntheseleistung so stark reduzieren, dass die Pflanze nicht genug Energie für die Aufrechterhaltung des Turgors produziert. Umgekehrt nützt auch das beste Licht wenig, wenn die Wurzeln bei kalten Temperaturen kein Wasser mehr aufnehmen können.
Wasserqualität und Substrat: der unterschätzte Faktor bei braunen Blättern
Viele Pflanzenschäden werden fälschlich der trockenen Luft zugeschrieben, obwohl die eigentliche Ursache Wasserqualität und Substratstruktur ist. Calatheas sind ausgesprochen kalkempfindlich. Hartes Leitungswasser mit hohem Calciumcarbonatgehalt verändert den pH-Wert des Substrats und blockiert die Aufnahme von Mikronährstoffen wie Eisen und Magnesium. Das Ergebnis: Blätter verlieren ihre Leuchtkraft und vertrocknen an den Rändern, obwohl das Substrat feucht ist.
Die braunen Blattspitzen, die viele Halter beobachten, sind häufig weniger ein Zeichen von zu trockener Luft als vielmehr von zu hartem Wasser. Das Problem lässt sich mit einfachen Maßnahmen vermeiden. Gefiltertes oder abgestandenes Wasser verwenden, ideal ist Regenwasser mit pH 6–6,5. Leitungswasser sollte mindestens 24 Stunden stehen, damit sich Chlor verflüchtigen kann und das Wasser Zimmertemperatur annimmt.
Eine Mischung aus Torfersatz, etwas Perlit und Rindenstückchen fördert die Durchlüftung. Ein durchlässiges, strukturstabiles Substrat, das Wasser hält, aber niemals verdichtet, ist ideal. Untersetzer sollten nach dem Gießen entleert werden – stehendes Wasser verdrängt Sauerstoff, was Wurzelfäule begünstigt.
Wer auf technische Perfektion achtet, kann ein kapilläres Bewässerungssystem nutzen, bei dem die Pflanze sich genau die nötige Feuchtigkeit zieht. Das minimiert Schwankungen im Substrat und verhindert das typische abwechselnde Austrocknen und Übergießen. Solche Systeme werden zunehmend auch für anspruchsvolle Zimmerpflanzen entwickelt und ermöglichen eine gleichmäßigere Wasserversorgung als manuelle Gießmethoden.
Die Substratzusammensetzung spielt dabei eine entscheidende Rolle: Ein zu dichtes Substrat verhindert die Sauerstoffzufuhr zu den Wurzeln, während ein zu lockeres die Feuchtigkeit nicht ausreichend speichert. Die Balance zwischen Wasserspeicherung und Drainage ist bei der Calathea besonders kritisch.
Wie die Position im Raum über Überleben oder Rückzug entscheidet
Die Standortwahl im Winter wirkt manchmal unscheinbar, entscheidet aber über die Regenerationsfähigkeit der Pflanze. Ein Abstand von mindestens einem Meter zu Heizkörpern ist Pflicht; noch wichtiger ist, Luftbewegungen zu erkennen, die durch Fenster und Türen entstehen. Ständige Wechsel zwischen warmer und kalter Luft erzeugen Mikroschocks in den Zellmembranen – sichtbar als bräunliche Punkte entlang der Blattadern.

Ideal ist ein Platz mit Streulicht, wie auf einem Beistelltisch nahe eines Ostfensters, leicht abgeschirmt durch einen Vorhang. Die Calathea bevorzugt helle bis halbschattige Standorte ohne direkte Sonneneinstrahlung. Der Boden sollte nicht zu kalt sein; wer keine Fußbodenheizung hat, kann den Topf auf eine Isolierunterlage aus Kork oder Holz stellen. Diese einfache Maßnahme verhindert, dass die Wurzeln in der kalten Topferde einschlafen.
Für Räume mit dicken Außenwänden lohnt sich die Anschaffung eines Infrarotthermometers: Es zeigt, wie stark sich Wandtemperaturen unterscheiden. Calatheas meiden Unterkühlung so sehr wie Zugluft, und schon kleine bauliche Anpassungen – etwa das Abschirmen mit einer Zimmerpflanzenwand – können entscheidend sein.
Die Fensterbank ist oft verlockend, aber problematisch: Tagsüber kann sie zu warm werden, nachts zu kalt. Die Temperaturamplitude zwischen Tag und Nacht sollte auch im Winter nicht mehr als 5–6 °C betragen. Besonders bei Einfachverglasung oder älteren Fenstern können nachts Kältezonen entstehen, die den Blättern schaden.
Was du aus den Signalen deiner Pflanze lesen kannst
Das Verhalten der Calathea ähnelt einem fein abgestimmten Sensor: Jede Veränderung in der Umgebung wird unmittelbar in der Blattstruktur sichtbar.
- Leichtes Einrollen am Abend: Normaler zirkadianer Rhythmus, Teil der natürlichen nyktinastischen Bewegung
- Verstärktes Einrollen tagsüber: Zu niedrige Luftfeuchtigkeit oder zu hohe Temperatur. Die Pflanze versucht aktiv, ihre Verdunstungsfläche zu reduzieren
- Braune Spitzen, aber grünes Zentrum: Wasserqualität prüfen, eventuell Düngersalze ausspülen. Dieses Muster ist typisch für Kalkablagerungen oder Salzansammlungen im Substrat
- Fleckige Blätter mit gelblichem Rand: Zu kalter Standort oder kaltes Gießwasser. Temperaturschocks zeigen sich oft erst verzögert in der Blattstruktur
- Schlaffe Blätter trotz feuchter Erde: Mögliche Wurzelprobleme durch Staunässe oder zu kalte Temperaturen, die die Wasseraufnahme hemmen
Wer diese Signale entschlüsseln kann, muss keine radikalen Maßnahmen treffen, sondern reguliert die Parameter gezielt. Das Zusammenspiel von Feuchtigkeit, Temperatur und Licht ist kein Geheimnis, sondern ein kontrollierbares System – vorausgesetzt, man beobachtet mit Präzision.
Langfristig bildet die Pflanze neue, makellose Blätter, sobald die Bedingungen stimmen. Alte, geschädigte Blätter können abgeschnitten werden, damit die Energie in frisches Wachstum fließt. Es ist normal, dass alte Blätter im Laufe der Zeit absterben – solange kontinuierlich neues, gesundes Wachstum entsteht.
Saisonaler Rhythmus und minimale Ruhephase der Calathea
Anders als viele Zimmerpflanzen legt die Calathea keine ausgeprägte Winterruhe ein, sondern eine Verlangsamung des Wachstums. Dieser Unterschied hat pflegerische Konsequenzen. Die Pflanze braucht weiterhin Nährstoffe, aber in deutlich geringerem Umfang.
Ein sehr schwach dosierter Flüssigdünger mit niedrigem Stickstoffanteil einmal im Monat reicht aus. Zu viel Dünger erhöht den Salzgehalt im Substrat – ein weiterer Faktor für braune Blattspitzen, da Salze osmotischen Druck erzeugen und den Wasserfluss in den Wurzeln hemmen. Während der Wintermonate sollte die Düngung auf ein Minimum reduziert werden.
Das Gießintervall verlängert sich im Winter natürlich, doch völlige Trockenheit ist tabu. Der oberste Zentimeter Erde darf antrocknen, das Innere des Substrats sollte jedoch stets leicht feucht bleiben. Wer sich unsicher ist, prüft die Gewichtsdifferenz des Topfes zwischen Gießphasen – eine präzisere Methode als das bloße Fühlen der Erde.
Das Wachstum verlangsamt sich im Winter nicht aufgrund einer genetischen Programmierung wie bei vielen heimischen Pflanzen, sondern als direkte Reaktion auf die veränderten Lichtbedingungen. Sobald im Frühjahr die Tageslänge und Lichtintensität zunehmen, aktiviert die Pflanze wieder ihr volles Wachstumspotenzial.
Die Calathea behält ihre nyktinastischen Bewegungen das ganze Jahr über bei. Diese Blattbewegungen sind ein Indikator für die Vitalität der Pflanze: Wenn sie aufhören oder deutlich schwächer werden, deutet dies auf erheblichen Stress hin.
Wann Umsetzen oder Rückschnitt sinnvoll ist
Viele Halter wollen ihre Calathea retten, indem sie sie im Winter umtopfen. Meist ist das kontraproduktiv. Die Wurzeln sind in dieser Phase weniger aktiv und reagieren empfindlich auf Störungen. Ein Umsetzen ist nur dann ratsam, wenn das Substrat modrig riecht oder die Wurzeln aus dem Topf drängen.
Der Rückschnitt dagegen kann helfen, Energieressourcen zu bündeln. Vertrocknete oder stark beschädigte Blätter sollten mit sauberen, desinfizierten Scheren entfernt werden, etwa ein bis zwei Zentimeter über dem Bodenansatz. Das regt die Pflanze an, neue Triebe zu bilden, sobald die Lichtbedingungen sich verbessern.
Der späte Winter oder frühe Frühling ist der beste Zeitpunkt für ein Umtopfen – dann beginnt die Wachstumsphase, und die Pflanze kann sich schnell von der Störung erholen. Das neue Substrat sollte frisch und locker sein, der neue Topf nur geringfügig größer als der alte.
Im Frühjahr, wenn die Tage länger werden und die Luftfeuchtigkeit wieder steigt, zeigt sich, ob sie den Winter gut überstanden hat. Neue Blätter mit kräftiger Färbung und festem Turgor sind ein direktes Zeichen, dass die physiologischen Reserven intakt geblieben sind.
Beim Umtopfen sollten die Wurzeln vorsichtig auf Fäulnis untersucht werden. Gesunde Wurzeln sind hell und fest, faule dagegen dunkel und matschig. Betroffene Wurzelteile müssen entfernt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.
Die Rolle der Raumgestaltung: Mikroökologie statt Einzelpflege
Eine Calathea gedeiht besser als Teil eines organisierten Ökosystems. Statt sie isoliert aufzustellen, lohnt es sich, die gesamte Raumökologie zu berücksichtigen. Oberflächenmaterialien, Bodenarten und Lüftungsverhalten beeinflussen das Mikroklima messbar. Räume mit viel Holz speichern Feuchtigkeit besser, während minimalistische Einrichtungen mit Glas und Metall Luft schnell austrocknen.
Eine kleine grüne Zone mit verschiedenen Pflanzenarten – Farnen, Marantas, Philodendren – schafft eine Symbiose aus Transpiration und Luftreinigung. Diese Gruppe senkt Feinstaub, stabilisiert die Luftfeuchtigkeit und schafft für die Calathea Bedingungen, die ihrer Herkunft nahekommen. In Kombination mit einem automatischen Luftbefeuchter mit Sensorsteuerung entsteht ein System, das kaum manuelles Eingreifen erfordert.
Eine stabile Raumökologie verbessert nicht nur das Wachstum der Pflanzen, sondern auch das Wohlbefinden der Bewohner. Tropische Pflanzen reagieren empfindlich, aber sie geben dafür eine messbar bessere Luftqualität zurück. Die kollektive Transpiration mehrerer Pflanzen kann die lokale Luftfeuchtigkeit um 10–15 % erhöhen – ein spürbarer Effekt gerade in beheizten Räumen.
Auch die Platzierung von Wasserschalen oder kleinen Zimmerbrunnen in der Nähe trägt zur Stabilisierung bei. Wichtig ist dabei, dass das Wasser regelmäßig gewechselt wird, um Algenbildung und Geruchsentwicklung zu vermeiden.
Wie kleine technische Korrekturen große Pflegeprobleme vermeiden
Die meisten Probleme entstehen weniger aus Vernachlässigung als aus Missverständnissen der zugrunde liegenden Physik. Heizungsluft senkt nicht nur die Feuchte, sie verändert auch die Luftschichtung: Warme Luft steigt, kalte sinkt. Eine Calathea auf dem Boden lebt oft in einer kühleren, trockeneren Zone, als das Raumthermometer zeigt. Ein kleiner Podestständer kann die Temperatur am Blattniveau um 2 °C erhöhen – genug, um die Wasseraufnahme zu verbessern.
Auch Luftströme durch Heizsysteme sind unterschätzt. Ein einfacher Papierstreifentest zeigt, wo sich unsichtbare Strömungen bewegen. Werden sie durch den Standort gelenkt, verlieren Pflanzen unmerklich Feuchtigkeit. Eine minimale Standortverschiebung um 20 cm kann den Unterschied zwischen Einrollen und vitalem Wuchs ausmachen.
Solche Details wirken banal, doch sie entsprechen dem präzisen Beobachtungsniveau professioneller Gärtnereien. Das Verständnis physikalischer Zusammenhänge ist der zuverlässigste Schutz gegen braune Blätter – kein Wundermittel, sondern Kontrolle über Mikroklima und Energieflüsse.
Die Verwendung eines Thermometers mit Min-Max-Funktion kann aufschlussreich sein: Es zeigt die Temperaturschwankungen über 24 Stunden und deckt problematische Phasen auf, die man sonst nicht bemerken würde. Gerade nachts, wenn die Heizung heruntergefahren wird, können kritische Temperaturabfälle auftreten.
Tropenpflanzen zu pflegen bedeutet, ein Stück Stabilität in eine instabile Jahreszeit zu bringen. Wenn Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht im Einklang stehen, entfaltet die Calathea ihre volle Schönheit – und ihre Blätter bleiben auch im tiefsten Winter grün, geschmeidig und voller Leben.
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