Sojasoße ohne Salz gekauft: Dieser Inhaltsstoff löst bei Tausenden unbemerkt Allergien aus

Sojasoße gehört zu den beliebtesten Würzmitteln in deutschen Haushalten und hat längst den Sprung von der asiatischen Spezialität zum Alltagsprodukt geschafft. Ob für Sushi, Wok-Gerichte oder als pikante Note in Marinaden – die dunkle Sauce steht in vielen Küchen griffbereit. Doch gerade Menschen, die auf eine natriumarme Ernährung achten müssen, greifen häufig zu speziellen Varianten und übersehen dabei ein entscheidendes Risiko: versteckte Allergene, die in der vermeintlich einfachen Würzsauce lauern können.

Warum natriumarme Sojasoße nicht automatisch unbedenklicher ist

Wer aus gesundheitlichen Gründen seinen Salzkonsum reduzieren muss, sucht gezielt nach Produkten mit der Aufschrift „natriumreduziert“ oder „salzarm“. Bei Sojasoße scheint dies eine logische Wahl zu sein, da herkömmliche Varianten extrem salzhaltig sind. 100 Milliliter Shoyu-Sojasoße enthalten etwa 5,5 Gramm Natrium, bei Tamari-Sauce sogar 5,6 Gramm – fast die gesamte empfohlene Tagesmenge von 6 Gramm. Was viele Verbraucher jedoch nicht wissen: Die Reduktion des Natriumgehalts erfordert oft Anpassungen in der Rezeptur, die wiederum neue Inhaltsstoffe ins Spiel bringen.

Diese modifizierten Rezepturen können Zutaten enthalten, die bei traditionell hergestellter Sojasoße nicht vorkommen würden. Während klassische Sojasoße im Idealfall aus Sojabohnen, Weizen, Salz, Wasser und den für die Fermentation notwendigen Mikroorganismen wie Aspergillus oryzae besteht, setzen Hersteller bei natriumreduzierten Varianten häufig auf Geschmacksverstärker, Hefeextrakte oder spezielle Aminosäureverbindungen, um den Geschmacksverlust auszugleichen.

Die unterschätzten Allergenquellen in der Flasche

Das offensichtlichste Allergen in Sojasoße ist natürlich die Soja selbst – eine der vierzehn kennzeichnungspflichtigen Hauptallergene in der EU. Doch die Komplexität geht weit darüber hinaus. Weizen ist in vielen traditionellen Sojasoßen ein wichtiger Bestandteil, was das Produkt für Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit problematisch macht. Dabei gibt es durchaus Unterschiede: Japanische Sojasoße wird üblicherweise im Verhältnis 50:50 aus Soja und Weizen hergestellt, während chinesische Varianten oft einen deutlich höheren Sojaanteil aufweisen und teilweise sogar vollständig weizenfrei sind.

Besonders tückisch wird es bei den sogenannten Kreuzallergien. Personen mit einer Birkenpollenallergie können auf Sojaproteine reagieren, ohne dies zunächst mit ihrer bekannten Pollenallergie in Verbindung zu bringen. Das Hauptallergen der Birke zeigt hohe Ähnlichkeit mit einem bestimmten Soja-Allergen. In einer Studie an der Leipziger Universitätsklinik gaben 30 Prozent der befragten Birkenpollenallergiker an, Soforttyp-Reaktionen beim Verzehr von Soja zu entwickeln, besonders häufig nach Sojagetränken. Die Symptome reichen von einem leichten Kribbeln im Mund bis zu ernsthaften allergischen Reaktionen.

Fermentationsprozesse und ihre Auswirkungen

Der Fermentationsprozess, der Sojasoße ihren charakteristischen Geschmack verleiht, kann zusätzliche Substanzen hervorbringen. Hefen und Schimmelpilze, die bei der traditionellen Fermentation verwendet werden, erzeugen in geringen Konzentrationen biogene Amine wie Histamin und Tyramin. Dies betrifft vor allem Menschen mit Histaminintoleranz, die oft nicht damit rechnen, dass eine Würzsauce zu ihren Beschwerden beitragen könnte.

Eine wichtige Erkenntnis aus der Allergieforschung: Stark fermentierte und erhitzte Produkte wie traditionell hergestellte Sojasoße stellen aufgrund ihres geringen Allergengehalts meist keine große Gefahr für Birkenpollenallergiker dar – im Gegensatz zu nicht-fermentierten Sojaprodukten. Die lange Reifezeit und Erhitzung bauen die problematischen Proteine weitgehend ab. Bei industriell beschleunigten Herstellungsverfahren kommen manchmal Enzyme zum Einsatz, die aus verschiedenen Quellen stammen können – von bakteriellen über pflanzliche bis hin zu tierischen Ursprüngen.

Chemische Herstellung und ihre besonderen Risiken

Schnell hergestellte Varianten durchlaufen einen Säurehydrolyseprozess, bei dem Sojabohnen mit Salzsäure aufgespalten werden. Dieses Verfahren kann andere Strukturen hervorbringen als die traditionelle Fermentation über Monate hinweg. Dabei entsteht unter anderem die Substanz 3-MCPD, die als potenziell gesundheitsgefährdend eingestuft wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ermittelte 2009 durchschnittlich 4,5 Mikrogramm pro Kilogramm Sojasoße. Seit 2023 gilt in der EU ein oberer Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kilogramm Trockenmasse.

Wenn weniger Salz mehr Fragen aufwirft

Die Herstellung natriumarmer Sojasoße stellt Produzenten vor eine technische Herausforderung. Salz ist nicht nur Geschmacksträger, sondern auch natürliches Konservierungsmittel. Wird der Salzgehalt reduziert, müssen alternative Lösungen her. Hier kommen oft Kaliumchlorid als Salzersatz oder zusätzliche Konservierungsstoffe zum Einsatz. Kaliumchlorid selbst ist zwar kein Allergen, kann aber bei Menschen mit Nierenproblemen problematisch sein – ausgerechnet jene Personengruppe, die häufig zu natriumarmen Produkten greift.

Zur Geschmacksoptimierung werden oft Hefeextrakte zugesetzt, die wiederum Glutamate enthalten und bei empfindlichen Personen Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können. In der Zutatenliste finden sich bei manchen Produkten kryptische Bezeichnungen wie „hydrolysiertes Pflanzenprotein“ oder „Aminosäuren“. Diese Stoffe können aus verschiedenen Quellen stammen – Mais, Weizen, Soja oder anderen Proteinen. Für Allergiker wird es hier zur Detektivarbeit, die tatsächliche Quelle zu identifizieren.

Zusatzstoffe als unterschätzte Allergenträger

Verdickungsmittel und Stabilisatoren, die in einigen Produkten zum Einsatz kommen, können ebenfalls allergen wirken. Xanthan etwa wird häufig durch bakterielle Fermentation auf Zuckerbasis hergestellt, wobei auch Weizen-, Mais- oder Sojabestandteile im Nährmedium verwendet werden können. Die Zutatenliste zu lesen reicht bei Sojasoße nicht immer aus. Achten Sie auf die Allergenhinweise, die in Fettdruck oder nach dem Wort „Enthält:“ aufgelistet sein müssen. Doch auch die freiwilligen Hinweise wie „Kann Spuren von…“ sollten Sie ernst nehmen, besonders bei schweren Allergien.

Was Verbraucher konkret beachten sollten

Wer auf Gluten verzichten muss, sollte gezielt nach chinesischen Sojasoßen oder speziell als glutenfrei gekennzeichneten Produkten suchen. Viele chinesische Varianten werden mit deutlich weniger Weizen oder ganz ohne Weizen hergestellt und können eine verträgliche Alternative darstellen. Die Unterscheidung zwischen „natürlich gebraut“ und chemisch hergestellter Sojasoße ist ebenfalls relevant, da traditionell fermentierte Produkte für bestimmte Allergiker besser verträglich sein können.

Sojasoße wird häufig importiert, und internationale Kennzeichnungsstandards unterscheiden sich von europäischen Vorschriften. Was in einem asiatischen Land nicht deklarationspflichtig ist, kann in Deutschland ein relevantes Allergen darstellen. Einige importierte Produkte enthalten außerdem Alkohol, der durch Fermentation entsteht. Dies ist zwar selten ein Allergen im engeren Sinne, kann aber für Menschen mit Alkoholunverträglichkeit oder aus religiösen Gründen relevant sein.

Wer auf eine natriumarme Diät angewiesen ist und gleichzeitig Allergien oder Unverträglichkeiten hat, sollte direkt beim Hersteller nachfragen. Die meisten Unternehmen verfügen über Allergen-Informationsblätter, die detaillierter sind als die gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung auf der Verpackung. Eine Alternative kann das Selbstherstellen einer Würzmischung sein. Mit Pilzpulver, Algen und bestimmten Aminosäuren lässt sich eine umami-reiche Würze kreieren, die ohne problematische Inhaltsstoffe auskommt.

Die rechtliche Situation und ihre Lücken

Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung schreibt die Kennzeichnung der 14 Hauptallergene vor. Dies bietet eine grundlegende Sicherheit, deckt aber nicht alle individuellen Unverträglichkeiten ab. Histaminintoleranz etwa wird nicht durch Kennzeichnungspflichten abgedeckt, obwohl fermentierte Produkte wie Sojasoße potenzielle Auslöser sind. Ein weiteres Problem: Die Kennzeichnung „kann Spuren enthalten“ ist freiwillig. Manche Hersteller nutzen sie sehr großzügig zur rechtlichen Absicherung, andere verzichten darauf, obwohl tatsächlich ein Kontaminationsrisiko besteht.

Für Verbraucher mit medizinisch notwendiger natriumarmer Ernährung und zusätzlichen Allergien ergibt sich eine komplexe Situation: Sie versuchen, ihre Gesundheit durch salzreduzierte Produkte zu schützen, müssen dabei aber besonders aufmerksam sein. Die Lösung liegt in erhöhter Wachsamkeit, gründlicher Recherche der Produktzusammensetzung und im Austausch mit medizinischen Fachkräften, die beide Aspekte – Natriumreduktion und Allergenmanagement – in der Ernährungsberatung berücksichtigen können. Traditionell fermentierte Sojasoße in Maßen kann für viele Betroffene durchaus eine sichere Option sein, sofern die individuelle Verträglichkeit geprüft wurde.

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Birkenpollenkreuzreaktion mit Soja
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