Wer regelmäßig im Internet unterwegs ist, nutzt wahrscheinlich einen der großen Browser wie Chrome, Firefox, Edge oder Safari. Während die meisten davon sich in puncto Kompatibilität und Funktionsumfang kaum unterscheiden, tanzt Safari – Apples hauseigener Browser – seit Jahren aus der Reihe. Was für Apple-Nutzer oft unsichtbar bleibt, sorgt bei Webentwicklern regelmäßig für Kopfschmerzen: Safari hinkt bei der Unterstützung moderner Web-Standards teilweise erheblich hinterher.
Das WebP-Drama: Wenn Bilder zum Problem wurden
Eine Website mit hunderten hochauflösenden Bildern stellt Entwickler vor eine Herausforderung: Wie optimiert man die Ladezeiten und spart gleichzeitig Bandbreite? Das moderne WebP-Format bot hier eine Lösung – ein von Google entwickeltes Bildformat, das bei gleicher Qualität deutlich kleinere Dateigrößen als JPEG oder PNG ermöglicht. Konkret: Ein Bild, das im PNG-Format 2 MB groß ist und als JPEG etwa 750 KB umfasst, lässt sich mit WebP auf rund 100 KB komprimieren.
Chrome unterstützte WebP bereits seit 2014 mit Version 32. Firefox folgte mit Version 65, Edge mit Version 18. Safari-Nutzer hingegen sahen bis Version 14 im September 2020 buchstäblich nichts – oder im besten Fall nur Platzhalter. Sechs Jahre Verzögerung gegenüber Chrome.
Diese verzögerte Implementierung zwang Webentwickler jahrelang zu aufwendigen Workarounds. Sie mussten für jedes Bild mehrere Versionen bereitstellen: eine moderne WebP-Variante für zeitgemäße Browser und eine klassische JPEG- oder PNG-Version speziell für Safari. Das bedeutete nicht nur doppelten Speicherplatz auf dem Server, sondern auch komplexeren Code und zusätzlichen Wartungsaufwand.
Heute unterstützt Safari WebP vollständig
Seit Safari 14 gehört das WebP-Problem der Vergangenheit an. Moderne Safari-Versionen ab 14 unterstützen das Format vollständig, ab Version 16 ohne jegliche Einschränkungen. Mit über 97 Prozent aller globalen Internetnutzer, die mittlerweile WebP-fähige Browser verwenden, hat sich das Format durchgesetzt. Lediglich Nutzer sehr alter Safari-Versionen vor 14 sehen weiterhin keine WebP-Bilder – eine zunehmend kleine Minderheit.
Progressive Web Apps: Die eingeschränkte Safari-Version
Progressive Web Apps, kurz PWAs, sind eine der spannendsten Entwicklungen der letzten Jahre. Sie kombinieren das Beste aus zwei Welten: die Reichweite und Zugänglichkeit von Websites mit den Funktionen nativer Apps. Man kann sie auf dem Homescreen installieren, offline nutzen und sie verhalten sich wie echte Apps – zumindest in den meisten Browsern.
Safari unterstützt PWAs zwar grundsätzlich, allerdings mit erheblichen Einschränkungen. Während Chrome und Firefox PWAs nahezu vollständig wie native Apps behandeln, fehlen in Safari wichtige Features. Push-Benachrichtigungen waren auf iOS bis 2023 komplett unmöglich, Background Sync funktioniert nur eingeschränkt, und der verfügbare Speicherplatz wird drastisch limitiert. Apple hat sogar PWAs, die länger nicht genutzt werden, aus dem Cache gelöscht – ein Verhalten, das bei nativen Apps undenkbar wäre.
Warum diese Einschränkungen problematisch sind
Für Entwickler kleinerer Unternehmen oder Start-ups sind PWAs eine kostengünstige Alternative zu nativen iOS- und Android-Apps. Statt zwei separate Apps zu entwickeln und zu warten, reicht theoretisch eine einzige PWA. Durch Safaris Limitierungen wird dieser Vorteil jedoch zunichtegemacht: Wer iPhone-Nutzer vollständig erreichen möchte, kommt um eine native iOS-App kaum herum. Das bedeutet höhere Entwicklungskosten und letztlich auch weniger Innovation im Web.
Web Push Notifications: Jahre der Verspätung
Push-Benachrichtigungen gehören heute zum Standard-Repertoire jeder modernen App. Sie informieren uns über neue Nachrichten, Termine oder wichtige Updates. Im Web sind Push Notifications seit 2015 verfügbar – zumindest für Nutzer von Chrome, Firefox und Edge. Safari-Nutzer auf dem Mac erhielten diese Funktion erst 2017, auf dem iPhone sogar erst 2023 mit iOS 16.4.
Diese Verzögerung mag harmlos klingen, hat aber weitreichende Konsequenzen. Websites und Web-Apps, die auf zeitnahe Benachrichtigungen angewiesen sind – etwa Messaging-Dienste, News-Portale oder Projektmanagement-Tools – konnten ihre Nutzer auf Apple-Geräten jahrelang nicht erreichen. Viele mussten deshalb doch auf native Apps ausweichen, obwohl eine Web-Lösung technisch möglich gewesen wäre.

Weitere Kompatibilitätslücken im Detail
WebP und PWAs sind nur die Spitze des Eisbergs. Safari zeigt bei zahlreichen weiteren Web-APIs Verzögerungen oder fehlerhafte Implementierungen. WebRTC für Videotelefonie und Peer-to-Peer-Kommunikation im Browser funktioniert in Safari oft nur eingeschränkt oder mit Bugs. Web Bluetooth und Web USB, die APIs zur direkten Kommunikation mit Hardware-Geräten, bleiben komplett außen vor. Die Installation von PWAs ist in Safari deutlich versteckter als bei der Konkurrenz, während die File System Access API für direkten Dateizugriff Safari-Nutzern verwehrt bleibt. Auch die WebCodecs API für effiziente Video- und Audio-Verarbeitung im Browser sucht man in Safari vergeblich.
Die Gründe hinter Safaris Zurückhaltung
Warum hinkt Safari eigentlich hinterher? Apple selbst argumentiert häufig mit Sicherheits- und Datenschutzbedenken. Tatsächlich können manche Web-APIs theoretisch für Tracking oder Fingerprinting missbraucht werden. Kritiker werfen Apple jedoch vor, bewusst das offene Web auszubremsen, um den eigenen App Store zu schützen. Solange Web-Apps nicht die gleichen Möglichkeiten wie native Apps bieten, müssen Entwickler ihre Apps über Apples Plattform vertreiben – und dabei 15 bis 30 Prozent Provision zahlen.
Die EU-Wettbewerbsbehörden haben diese Praktiken bereits unter die Lupe genommen. Mit dem Digital Markets Act wurde Apple 2024 gezwungen, alternative Browser-Engines auf iOS zuzulassen. Bisher waren alle Browser auf dem iPhone gezwungen, Safaris WebKit-Engine zu nutzen – selbst Chrome und Firefox waren im Kern nur Safari mit anderer Oberfläche.
Was bedeutet das für normale Nutzer?
Für den durchschnittlichen Safari-Nutzer bleiben viele dieser Einschränkungen unsichtbar. Websites laden, Videos spielen ab, und die meisten alltäglichen Aufgaben funktionieren problemlos. Problematisch wird es bei spezifischeren Anwendungsfällen: Ein Online-Tool für Videobearbeitung könnte langsamer sein oder gar nicht funktionieren. Eine Projektmanagement-Plattform schickt keine Push-Benachrichtigungen. Eine Shopping-Website lädt durch fehlende WebP-Unterstützung auf älteren Safari-Versionen merklich langsamer.
Wie Webentwickler reagieren
Die meisten professionellen Entwickler testen ihre Websites mittlerweile auf mehreren Browsern und Geräten. Für Safari bedeutet das oft zusätzlichen Aufwand: alternative Bildformate bereitstellen, Fallback-Lösungen programmieren, auf bestimmte moderne Features verzichten. Kleinere Websites oder Hobby-Projekte werden dagegen manchmal gar nicht für Safari optimiert – mit dem Ergebnis, dass sie dort schlechter oder gar nicht funktionieren.
Safari holt auf – aber langsam
Apple hat in den letzten Jahren deutlich aufgeholt. Die WebP-Unterstützung seit 2020, Web Push Notifications seit 2023 und die erzwungene Öffnung für alternative Browser-Engines sind positive Entwicklungen. Das Safari-Team veröffentlicht regelmäßig Updates und fügt fehlende Features hinzu.
Dennoch bleibt der Rückstand spürbar. Während Chrome neue Web-Standards oft innerhalb von Monaten implementiert, vergehen bei Safari häufig Jahre. Diese Verzögerung bremst die Evolution des Webs und macht es für Entwickler schwieriger, plattformübergreifend einheitliche Erlebnisse zu schaffen.
Für Nutzer lohnt sich ein Blick über den Tellerrand: Auch auf Apple-Geräten lassen sich alternative Browser wie Chrome, Firefox oder Edge installieren. Auf dem Mac verwenden diese bereits ihre eigenen Rendering-Engines, auf dem iPhone wird dies ab 2024 ebenfalls möglich. Wer Wert auf maximale Kompatibilität mit modernen Web-Standards legt, findet dort möglicherweise bessere Optionen – auch wenn Safari durch seine tiefe System-Integration auf Apple-Geräten durchaus Vorteile bei Akkulaufzeit und Performance bietet.
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