Deshalb bremst Microsoft Teams Ihren Computer aus: Die versteckten Gründe und was Sie dagegen tun können

Wer im Homeoffice oder im Büro täglich mit Microsoft Teams arbeitet, kennt das Phänomen nur zu gut: Der Rechner läuft plötzlich spürbar langsamer, der Lüfter dreht auf Hochtouren, und ein Blick in den Task-Manager offenbart den Übeltäter. Microsoft Teams nimmt sich gerne mal zwischen 500 MB und 1 GB Arbeitsspeicher – und das im Leerlauf, wenn ihr gerade nicht einmal in einem Meeting sitzt. Bei längeren Videoanrufen kann der RAM-Verbrauch sogar auf bis zu 2 GB ansteigen. Doch warum ist ausgerechnet eine Kommunikationsplattform so hungrig nach Ressourcen?

Die Electron-Architektur als technische Grundlage

Der Hauptgrund für den hohen Speicherverbrauch liegt in der technischen Grundlage der Anwendung. Microsoft Teams basierte auf dem Electron-Framework, einer Entwicklungsumgebung, die es ermöglicht, Desktop-Anwendungen mit Webtechnologien wie JavaScript, HTML und CSS zu erstellen. Klingt erstmal praktisch – und das ist es für Entwickler auch. Sie können damit relativ einfach plattformübergreifende Programme bauen, die auf Windows, macOS und Linux funktionieren.

Der Haken dabei: Electron-Anwendungen laufen im Grunde wie ein vollständiger Webbrowser im Hintergrund. Jede Electron-App packt quasi eine abgespeckte Version von Chromium mit ein. Das führt dazu, dass selbst einfache Anwendungen deutlich mehr Ressourcen verbrauchen als native Programme, die speziell für ein Betriebssystem entwickelt wurden. Mittlerweile hat Microsoft Teams auf die modernere Edge WebView2-Technologie umgestellt, doch die grundlegenden architektonischen Herausforderungen bleiben bestehen.

Mehrere Prozesse für eine Anwendung

Wenn ihr den Task-Manager öffnet, während Teams läuft, werdet ihr feststellen, dass die Anwendung nicht als einzelner Prozess erscheint. Stattdessen seht ihr mehrere Teams-Prozesse gleichzeitig aktiv. Das ist keine Fehlfunktion, sondern Absicht. Teams teilt verschiedene Aufgaben in separate Prozesse auf – einer kümmert sich um die Benutzeroberfläche, ein anderer um Benachrichtigungen, weitere um Chat-Funktionen oder Video-Rendering. Microsoft plant sogar, ab Januar 2026 die Anruffunktionen in einen eigenen separaten Prozess auszulagern.

Diese Architektur hat durchaus Vorteile: Stürzt ein Prozess ab, kann die gesamte Anwendung theoretisch weiterlaufen. Außerdem lassen sich bestimmte Funktionen besser isolieren. Der Preis dafür ist allerdings ein deutlich höherer Speicher- und CPU-Verbrauch, weil jeder Prozess eigene Ressourcen benötigt und teilweise sogar redundante Daten im Arbeitsspeicher vorhält.

Teams im Vergleich mit der Konkurrenz

Vergleicht man Microsoft Teams mit anderen Kommunikationstools, wird schnell klar, dass es zu den ressourcenintensivsten Lösungen am Markt gehört. Auch andere Plattformen wie Slack, das ebenfalls ursprünglich auf Electron basierte, kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen – wobei Slack in der Regel etwas genügsamer ist. Selbst Discord kann unter bestimmten Bedingungen bis zu 4 GB RAM verbrauchen.

Besonders drastisch wird der Unterschied bei älteren Rechnern oder Geräten mit begrenztem Arbeitsspeicher. Auf einem System mit nur 4 GB RAM kann Teams schnell zum Flaschenhals werden, der das gesamte System ausbremst. Multitasking wird dann zur Geduldsprobe, wenn neben Teams noch ein Browser mit mehreren Tabs, Office-Anwendungen oder andere Programme laufen sollen.

Warum Microsoft nicht einfach optimiert

Die Frage liegt nahe: Warum optimiert Microsoft seine eigene Software nicht besser? Die Antwort ist vielschichtig. Zum einen ermöglichte die ursprüngliche Electron-Basis eine schnellere Entwicklung und einfachere Wartung über verschiedene Plattformen hinweg. Zum anderen hat Microsoft Teams enorm viele Funktionen integriert – von Chat über Videoanrufe bis hin zu File-Sharing, Kalenderintegration und unzähligen App-Erweiterungen.

Jede dieser Funktionen benötigt Ressourcen, und die müssen im Hintergrund vorgehalten werden, damit Teams nahtlos zwischen verschiedenen Modi wechseln kann. Die Komplexität der Anwendung ist also auch ein Resultat ihres Funktionsumfangs. Allerdings hat Microsoft das Problem durchaus erkannt und arbeitet kontinuierlich an Verbesserungen. Die neueren Versionen mit WebView2-Technologie zeigen bereits deutliche Fortschritte gegenüber den ersten Varianten.

Was der hohe RAM-Verbrauch für euren Rechner bedeutet

Arbeitsspeicher ist grundsätzlich dazu da, genutzt zu werden. Ein gewisser RAM-Verbrauch ist also normal und sogar gewünscht. Problematisch wird es erst, wenn der verfügbare Arbeitsspeicher knapp wird und das System anfängt, Daten auf die deutlich langsamere Festplatte oder SSD auszulagern. Dieser Vorgang, auch Paging genannt, bremst euren Rechner massiv aus.

Bei 8 GB RAM oder weniger kann Teams also schnell zum Performance-Killer werden, besonders wenn ihr parallel noch andere Anwendungen nutzt. Selbst bei 16 GB spürt man den Unterschied, wenn Teams läuft oder nicht. Der hohe Speicherverbrauch führt auch dazu, dass der Prozessor mehr arbeiten muss, was wiederum die Akkulaufzeit bei Laptops verkürzt und die Lüfter häufiger anspringen lässt.

Praktische Auswirkungen im Arbeitsalltag

Der Ressourcenhunger von Teams zeigt sich im Alltag auf verschiedene Weise. Lange Ladezeiten beim Start der Anwendung sind nur der Anfang. Auch Verzögerungen beim Wechseln zwischen Chats oder Kanälen, ruckelnde Videos bei Bildschirmfreigaben oder merkliche Verlangsamungen beim gleichzeitigen Arbeiten in anderen Programmen sind typische Symptome.

Besonders ärgerlich wird es bei längeren Videomeetings. Hier steigt der Ressourcenverbrauch kontinuierlich an, weil Teams Cache-Daten anhäuft und diese nicht konsequent freigibt. Nach mehrstündigen Videokonferenzen ist ein Neustart von Teams oft die einzige Möglichkeit, die Performance wieder auf ein akzeptables Level zu bringen. Microsoft selbst hat bestätigt, dass Teams insbesondere während Anrufen mit Performance-Problemen zu kämpfen hat.

Ein Blick in die technischen Details

Interessant ist auch, wofür Teams den vielen Arbeitsspeicher eigentlich verwendet. Ein großer Teil fließt in das Rendering der Benutzeroberfläche und die Browser-Basis. Video-Codierung und -Decodierung bei Anrufen verbrauchen ebenfalls erhebliche Ressourcen. Hinzu kommen Caching-Mechanismen, die Nachrichten, Dateien und andere Inhalte im Speicher vorhalten, um schnelleren Zugriff zu ermöglichen.

Die zahlreichen Hintergrundprozesse prüfen außerdem ständig auf neue Nachrichten, synchronisieren Daten und halten Verbindungen zu Microsoft-Servern aufrecht. All das summiert sich zu dem beachtlichen Speicherfußabdruck, den Teams hinterlässt. Die mehrschichtige Architektur sorgt zudem dafür, dass viele Programmbibliotheken mehrfach im Speicher landen, weil jeder Prozess seine eigenen Kopien benötigt.

Ausblick auf kommende Verbesserungen

Microsoft arbeitet aktiv daran, Teams effizienter zu gestalten. Die Umstellung auf die Edge WebView2-Technologie hat bereits spürbare Verbesserungen gebracht. Die neueren Versionen zeigen deutliche Fortschritte gegenüber den ursprünglichen Electron-basierten Varianten. Auch die bessere Integration ins Betriebssystem und geplante Updates wie die Auslagerung von Anruffunktionen in separate Prozesse sollen die Performance weiter steigern.

Dennoch bleibt Teams eine der speicherhungrigsten Kommunikationslösungen auf dem Markt – ein Umstand, mit dem Millionen von Nutzern täglich leben müssen. Wer die technischen Hintergründe kennt, versteht zumindest, warum der eigene Rechner unter Last ächzt, wenn die nächste Videokonferenz ansteht. Die Optimierungen der letzten Jahre zeigen, dass der Konzern gewillt ist, Teams auch für Nutzer mit weniger leistungsstarker Hardware zugänglich zu machen.

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