Nichts ist frustrierender, als mitten in der spannendsten Szene eurer Lieblingsserie von einer Werbeeinblendung unterbrochen zu werden – und das nicht vom Streaming-Dienst selbst, sondern vom Smart TV. Was viele nicht wissen: Moderne Fernseher von Samsung, LG und anderen Herstellern sind mittlerweile kleine Computer mit eigenem Betriebssystem, und Smart TVs zeigen Werbung, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Doch es gibt wirksame Gegenmaßnahmen, mit denen ihr euer Wohnzimmer zurückerobert.
Warum zeigt mein Smart TV überhaupt Werbung?
Die unbequeme Wahrheit ist, dass euer teures Gerät nicht nur ein Fernseher ist, sondern auch eine Werbeplattform. Hersteller wie Samsung und LG haben erkannt, dass sich mit den Nutzerdaten und der Aufmerksamkeit der Zuschauer richtig Geld verdienen lässt. Die Werbeeinblendungen erscheinen im Hauptmenü, als Banner während der Wiedergabe oder sogar als vollständige Popups, die ihr aktiv wegklicken müsst. Besonders problematisch sind dabei Anzeigen, die als Produktwerbung oder Hinweise auf kostenpflichtige Dienste erscheinen und mit dem eigentlichen Fernsehprogramm wenig zu tun haben. Samsung bewirbt beispielsweise Samsung TV Plus, während Amazon Fire OS ständig Angebote von Amazon einblendet. Diese Praktik ist zwar legal, aber definitiv kundenunfreundlich – schließlich habt ihr bereits für das Gerät bezahlt.
Erste Maßnahme: Deaktiviert die Werbe-IDs und das Tracking
Der effektivste erste Schritt ist das Abschalten der personalisierten Werbung. Bei den meisten Smart TVs findet ihr diese Option in den Datenschutzeinstellungen. Bei Samsung Tizen navigiert ihr zu Einstellungen, dann zu Allgemein und weiter zu Zusätzliche Einstellungen. Dort findet ihr die Werbung-Optionen, wo ihr die Samsung Tizen Werbe-ID zurücksetzen und das Tracking deaktivieren könnt. Je nach Modell kann der Pfad auch über Privatsphäre zu Werbung führen.
Bei LG webOS steuert ihr die Einstellungen an, geht zu Alle Einstellungen und dann zu Allgemein. Dort deaktiviert ihr LivePlus und prüft die Datenschutzeinstellungen auf Optionen zur Deaktivierung personalisierter Werbung. Android TV und Google TV bieten ähnliche Funktionen unter Einstellungen, dann Datenschutz und Anzeigen, wo ihr personalisierte Werbung und wiedergabebasierte Anzeigen ausschalten könnt. Diese Einstellungen verhindern zwar nicht alle Werbeeinblendungen, reduzieren aber deren Häufigkeit deutlich und verhindern das Tracking eures Nutzerverhaltens.
Systembenachrichtigungen rigoros aussortieren
Viele Smart TVs bombardieren euch mit Benachrichtigungen über neue Apps, Updates oder Features, die ihr nie nutzen werdet. Diese lassen sich in den Benachrichtigungseinstellungen einzeln deaktivieren. Geht in die Systemeinstellungen eures Fernsehers und sucht nach Begriffen wie Benachrichtigungen, Mitteilungen oder Notifications. Dort könnt ihr für jede vorinstallierte App einzeln festlegen, ob sie euch stören darf. Deaktiviert zunächst alle und aktiviert nur die wirklich wichtigen wieder – etwa echte Systemupdates.
Besonders aufdringlich sind oft die Benachrichtigungen der herstellereigenen App-Stores und Smart Hub-Funktionen. Diese sind in den seltensten Fällen notwendig und dienen hauptsächlich dazu, euch weitere kostenpflichtige Dienste zu verkaufen. Wenn ihr diese Mitteilungen konsequent abschaltet, wird euer Fernseherlebnis sofort ruhiger und entspannter.
DNS-basierte Werbeblocker: Die Netzwerklösung
Eine besonders effektive Methode ist der Einsatz von DNS-basierten Werbeblockern in eurem Heimnetzwerk. Diese filtern Werbung bereits auf Netzwerkebene heraus, bevor sie euren Fernseher erreicht. Ihr könnt entweder spezielle DNS-Server wie AdGuard DNS nutzen oder technische Lösungen wie Pi-hole einsetzen. Bei AdGuard DNS tragt ihr einfach die DNS-Adressen in den Netzwerkeinstellungen eures Smart TVs ein. Alternativ konfiguriert ihr diese DNS-Server direkt in eurem Router, sodass alle Geräte im Netzwerk automatisch geschützt sind.
Für technisch Versierte bietet sich Pi-hole an – eine Software-Lösung, die auf einem Raspberry Pi oder einem anderen kleinen Server läuft und Domains von Ad-Servern blockiert. Der Vorteil liegt auf der Hand: Das funktioniert nicht nur für den TV, sondern für alle Geräte in eurem Netzwerk, einschließlich Smartphones und Tablets. Manche Router bieten auch eigene Filter-Optionen, mit denen ihr bestimmte Domains blockieren könnt. Prüft in der Router-Konfiguration, ob solche Funktionen verfügbar sind.
Herstellerspezifische Einstellungen kennen und nutzen
Jeder Hersteller versteckt seine Werbe- und Benachrichtigungsoptionen an unterschiedlichen Stellen. Samsung hat seine Werbestrategie in den letzten Jahren massiv ausgebaut und gilt als besonders aggressiv bei der Einblendung von Werbung. Neben den bereits erwähnten Datenschutzeinstellungen solltet ihr unbedingt auch Auto-Programmaktualisierung deaktivieren – diese Funktion lädt im Hintergrund ständig neue Inhalte nach, die oft werbefinanziert sind. Schaut auch in die erweiterten Einstellungen, wo sich weitere Tracking-Optionen verstecken können. Samsung sammelt über verschiedene Mechanismen Daten über euer Sehverhalten, um darauf basierend Werbung auszuspielen.

LG Smart TVs und ihre Besonderheiten
Bei LG ist besonders das LivePlus-Feature problematisch, das als augenscheinlichste Form von Werbung gilt. In neueren webOS-Versionen belegt LG fast ein Drittel des verfügbaren Bildschirmplatzes mit Werbeinhalten. Die Deaktivierung von LivePlus sollte daher absolute Priorität haben. Schaltet außerdem unter den Kanaleinstellungen die Option Automatic Content Recognition aus – diese Funktion analysiert ständig, was ihr schaut, und nutzt diese Informationen für personalisierte Werbung. ACR ist ein Überwachungsmechanismus, der im Hintergrund läuft und detaillierte Profile über euer Sehverhalten erstellt.
Android TV und Google TV richtig konfigurieren
Bei Android TV und Google TV sind die Datenschutzeinstellungen besonders wichtig. Deaktiviert neben der personalisierten Werbung auch die wiedergabebasierten Anzeigen. Im Apps-Menü könnt ihr zudem vorinstallierte Apps deaktivieren, die ihr nie nutzt – weniger Apps bedeutet weniger Benachrichtigungen und weniger potenzielle Quellen für Werbung. Widerruft außerdem den Apps unnötige Berechtigungen. Viele vorinstallierte Anwendungen fordern Zugriff auf Daten, die sie für ihre Grundfunktion gar nicht benötigen.
Firmware-Updates strategisch handhaben
Ein zweischneidiges Schwert sind Firmware-Updates. Einerseits bringen sie Sicherheitspatches und neue Features, andererseits führen Hersteller damit oft neue Werbeformate ein. Recherchiert vor jedem Update in Foren, ob andere Nutzer nach der Aktualisierung über neue Werbung berichten. Ihr könnt bei den meisten Smart TVs automatische Updates deaktivieren und nur manuell aktualisieren, wenn ein Update tatsächlich wichtige Verbesserungen bringt. Das gibt euch die Kontrolle zurück – allerdings auf Kosten potenzieller Sicherheitsupdates. Wägt hier sorgfältig ab, was euch wichtiger ist.
Die Technologie hinter der Werbung verstehen
Smart-TV-Hersteller setzen auf ausgefeilte Technologien, um Werbung gezielt auszuspielen. Addressable TV ermöglicht es Werbetreibenden, Anzeigen basierend auf geografischer Lage, Uhrzeit, Geräteausstattung, Wetter und demografischen Merkmalen zu personalisieren. Das Zuschauerverhalten wird kontinuierlich analysiert, um detaillierte Profile zu erstellen. Je mehr ihr über diese Mechanismen wisst, desto besser könnt ihr entscheiden, welche Funktionen ihr deaktivieren möchtet. Die Datensammlung erfolgt oft über mehrere Kanäle gleichzeitig – von ACR über App-Nutzung bis hin zu Interaktionen mit dem Smart Hub.
Alternative Lösungen für maximale Kontrolle
Wer die volle Kontrolle über seine Streaming-Umgebung haben möchte, kann einen Mini-PC oder Raspberry Pi mit einem schlanken Media-Center-Betriebssystem wie LibreELEC nutzen. Damit umgeht ihr die vorinstallierten Smart-TV-Funktionen komplett und habt ein werbefreies Erlebnis. Diese Lösung erfordert zwar etwas technisches Verständnis, bietet aber maximale Freiheit bei der Gestaltung eurer Mediennutzung. Ihr entscheidet selbst, welche Apps und Dienste ihr nutzt, ohne von Herstellervorgaben eingeschränkt zu werden.
Rechtliche Perspektive und Verbraucherschutz
Die Werbepraktiken vieler Smart-TV-Hersteller bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Während Hersteller argumentieren, dass die Nutzungsbedingungen diese Werbung abdecken, sehen Verbraucherschützer darin eine problematische Geschäftspraxis – besonders wenn die Werbung erst nach dem Kauf per Update eingespielt wird. Dokumentiert aufdringliche Werbung mit Screenshots und meldet besonders aggressive Fälle bei Verbraucherzentralen. Je mehr Beschwerden eingehen, desto größer wird der Druck auf die Hersteller, ihre Praktiken zu überdenken. Der öffentliche Druck zeigt bereits Wirkung: Einige Hersteller haben nach Nutzerprotesten ihre Werbestrategien angepasst.
Mit den richtigen Einstellungen und etwas technischem Verständnis könnt ihr euer Seherlebnis deutlich verbessern. Die vorgestellten Methoden – von der Deaktivierung von Tracking-Funktionen über DNS-basierte Blocker bis hin zur strategischen Verwaltung von Updates – geben euch die Werkzeuge an die Hand, um euren Smart TV wieder zu dem zu machen, was er sein sollte: ein Fenster zu euren Lieblingsinhalten, nicht zu unerwünschter Werbung.
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